Was ist Exportfinanzierung?

Was ist Exportfinanzierung?

Um Waren exportieren zu können, muss der Exporteur seine Güter zunächst produzieren. Damit geht der Exporteur in Vorleistung, denn er muss für die Produktion neben den Rohmaterialien auch die Arbeitsleistung seiner Mitarbeiter sowie weitere Produktionskosten finanzieren, ohne bis dahin eine finanzielle Gegenleistung erhalten zu haben. Ausnahmen sind hier über einen langen Zeitraum produzierte Exportgüter, für die regelmäßige Abschnittszahlungen geleistet werden, sowie Spezialgüter, bei denen der Exporteur aufgrund seiner Marktmacht Vorauskasse durchsetzen kann. Das Szenario der Vorleistung stellt jedoch den Regelfall dar. Darüber hinaus beträgt im Exportgeschäft das Zahlungsziel nicht selten mehrere Monate. Gleichzeitig sind im Außenhandel die Risiken eines Zahlungsausfalls deutlich höher als im Binnenhandel. Insbesondere Forderungsausfälle aufgrund einer sich verschlechternden Bonität des Kunden oder auch politischen Unruhen sind nahezu an der Tagesordnung. In diesen Fällen greift auch die Warenkreditversicherung oftmals nicht mehr. Damit die Finanzierung der Produktion trotzdem gewährleistet ist und der Exporteur seine Geschäftstätigkeit ohne Gefährdung der Unternehmensexistenz fortführen kann, wird er nach Finanzierungsmöglichkeiten für die Produktion suchen. Dazu benötigt er eine Finanzierung des Exports.
 

Welche Arten der Exportfinanzierung gibt es?

Mehr Informationen für Verkäufer.

» So funktioniert's


Die einfachste und daher auch häufigste Art der Exportfinanzierung stellen vertraglich vereinbarte Anzahlungen dar, die der Exporteur von seinen Kunden bei Vertragsabschluss und während des Produktionsprozesses verlangt. Neben der Zahlung bei Produktübergabe kommen aber auch Avalkredite, Akzeptkredite oder der klassische Betriebsmittelkredit der Hausbank zum Einsatz. Eine weitere Finanzierungsoption im Export ist das Akkreditiv. Bei einem Akkreditiv handelt es sich um ein Zahlungsversprechen, welches ein Importeur mithilfe seiner Bank einem Exporteur gibt. Konkret gibt der Importeur seiner Bank eine Anweisung, die vereinbarte Summe bei der Bank des Exporteurs bereitzustellen. Die Auszahlung findet hingegen erst dann statt, wenn bestimmte vertraglich festgelegte Voraussetzungen erfüllt sind. So hat der Exporteur die Sicherheit, dass der vertraglich vereinbarte Kaufpreis bei Leistungserbringung auch fließt. Das Akkreditiv schützt auf diese Weise beide Parteien vor einem wirtschaftlichen Schaden, wenn einer der Vertragspartner seinen Verpflichtungen nicht nachkommt.



Was genau ist Forfaitierung im Zusammenhang der Exportfinanzierung?

Die Forfaitierung ist eine weitere Finanzierungsform, die im Außenhandel bei Projekten mit besonders hohem Finanzierungsvolumen häufig genutzt wird. Bei der Forfaitierung verkauft ein exportierendes Unternehmen Forderungen mit üblicherweise besonders langen Zahlungszielen an ein Finanzierungsinstitut, den sogenannten Forfaiteur. Ein Rückgriffsrecht ist bei der Forfaitierung nicht vorgesehen. Somit stellt diese Finanzierungsform im Exportgeschäft einen „echten“ Verkauf von Forderungen dar und belastet nicht den vorhandenen Finanzierungsrahmen. Während diese Finanzierungsform im Exportgeschäft üblich ist, kann sie durchaus auch im Inland genutzt werden. Allerdings findet bei inländischen Geschäftsbeziehungen häufiger das Factoring statt, das ebenso wie die Forfaitierung bilanzneutral ist.

Wer kann eine Forfaitierung nutzen?

Der Verkauf von Auslandsforderungen kann von jedem Unternehmen genutzt werden, das im Export tätig ist und das seine Produktion und seine Liquidität auf Dauer sicherstellen will, ohne dabei einen Ausfall von Forderungen zu riskieren. Eine Beschränkung auf bestimmte Branchen gibt es nicht. Deshalb ist der Verkauf von Forderungen über die Forfaitierung eine sehr häufige und beliebte Form der Exportfinanzierung. Hinzu kommen einige besondere Vorteile, die im Exportgeschäft keine andere Form der Finanzierung bietet.

Was sind die Vorteile der Forfaitierung?
 

Ein Forderungsverkauf mittels Forfaitierung bietet für den Inhaber der Forderung eine Reihe von Vorteilen, die vor allem in der Exportfinanzierung zum Tragen kommen. So vermeidet der Gläubiger einer Forderung durch den echten Forderungsverkauf die Gefahr des Forderungsausfalls. Diese muss dabei nicht einmal auf einen Kunden mit schwacher Bonität beschränkt sein. Vielmehr kann selbst eine Vertragsbeziehung, die viele Jahre hinweg erfolgreich bestand, unter Druck geraten. Auch ein in der Vergangenheit stets solventer und zahlungstreuer Kunde kann unerwartet in finanzielle Schwierigkeiten geraten und ausstehende Verbindlichkeiten nicht mehr begleichen. Diese Gefahr des Forderungsausfalls ist bei jungen Geschäftsbeziehungen entsprechend höher, da Bonität und Solvenz des Kunden noch schwerer zu beurteilen sind. Im Exportgeschäft potenziert sich diese Gefahr noch einmal, denn es ist deutlich schwieriger, die Kreditwürdigkeit eines Kunden im Ausland solide und umfassend zu beurteilen. Selbst bei einer guten Zahlungsmoral des Auslandskunden besteht also im Außenhandel regelmäßig eine höhere Gefahr des Forderungsausfalls. Diesem Ausfallrisiko kann der Verkauf von Forderungen aus dem Exportgeschäft entgegenwirken.

Üblicherweise erfolgt die Forfaitierung im bilateralen Vertragsverhältnis mit dem Forfaiteur, der einen hohen Sicherheitsabschlag verlangt. Wer also eine Forderung verkauft, wird niemals den nominellen Rechnungsbetrag erhalten. Diesen Abschlag hat der Inhaber der Forderung in Kauf zu nehmen, denn er gibt durch den echten Verkauf auch das Ausfallrisiko vollständig an den Käufer seiner Forderung ab. Trotzdem gibt es heute interessante Alternativen zum Verkauf von Exportforderungen.
 

Debitos als Alternative zur klassischen Exportfinanzierung

 

Mit Debitos erhalten Unternehmen eine interessante Alternative zur klassischen Exportfinanzierung, die zwar ähnlich der Forfaitierung auch auf dem regresslosen Verkauf beruht, sich aber in einigen entscheidenden Details unterscheidet. So wird auf Debitos jede Forderung im Auktionsverfahren meistbietend versteigert. Für den Inhaber der Forderung hat dies den elementaren Vorteil, dass er in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle einen geringeren Abschlag auf seine Forderung in Kauf nehmen muss als dies bei einer bilateralen Verhandlung der Fall wäre. Schließlich stehen eine Vielzahl qualifizierter Käufer im Wettbewerb zueinander und erzielen dadurch für den Verkäufer den maximale Erlös. Gleichzeitig wird so stets vollständige Transparenz bei der Preisfindung gewährleistet. Doch allein der höhere Erlös ist nicht der einzige Vorteil, den Debitos im Vergleich zu anderen Instrumenten der Exportfinanzierung mit sich bringt.

Der größte Vorteil der Online-Forderungbörse liegt für verkaufende Unternehmen in dem sofortigen Zufluss an zusätzlicher Liquidität. Anders als beim Factoring sind darüber hinaus keine langfristigen Verträge einzugehen. Vielmehr kann der exportierende Unternehmer für jeden Einzelfall neu entscheiden, ob er Debitos für den Verkauf seiner Forderung nutzen möchte. Aufgrund der standardisierten Prozesse und Kauf- und Abtretungsverträge kann ein Verkauf künftig fälliger Forderungen über Debitos innerhalb von wenigen Tagen zum Abschluss gebracht werden und ist daher auch äußerst kurzfristig durchführbar. Gleichzeitig kann der Forderungsverkäufer mit dem Abschlag wesentlich einfacher kalkulieren als mit einer komplexen Gebühr, die sich aus Anbahnungskosten, Prüfkosten, Zinsen und Jahresgebühr zusammensetzt.

Somit bietet die Versteigerung von Forderungen über Debitos auch bei der Exportfinanzierung deutlich mehr Vorteile als jede andere Form der Außenhandelsfinanzierung. Letztlich kombiniert die Online-Forderungsbörse die Vorteile der Forfaitierung mit der Erlösmaximierung und Flexibilität des Versteigerungsverfahrens sowie einer extrem schnellen Abwicklung. So wird Debitos auch im Außenhandel zu einer interessanten Lösung, um Forderungsausfällen nachhaltig vorzubeugen.